Sarah's Krankentagebuch

 

Sarah im Bett

 

Tag 2 nach der Operation

 

Puh, das war eine sehr anstrengende Nacht, das könnt Ihr mir glauben. Ich bin so richtig geschafft. Herrchen und Frauchen aber auch.

Dieser dämliche Verband an meinem rechten Hinterbein schränkt mich total in meiner Bewegungsfreiheit ein. Und immer wieder dieser blöde Trichter. Nur nicht Knabbern, heißt es dann gleich wieder. Bloß nicht den Verband ausziehen. Ich? Nöööö. Ich würde doch sowas nie nich machen. Flöt, flöt...

Und so haben mich Herrchen und Frauchen den halben Tag rumgammeln lassen. In ihrer Mittagspause kam Frauchen von der Arbeit, und dann durfte ich endlich auf's Klo. Not-Gassi oder so. Mist, ich kann nur auf drei Beinen hoppeln.

Ohh, die Blase drückt... Ich schaff's noch bis unten, bestimmt...

Endlich im Freien, endlich meine Wiese. Herrje, wie soll ich denn da pieseln...? So im Stehen? Wie uncool!

Na ja, dann habe ich Herrchen und Frauchen den Gefallen getan und endlich gepieselt. Erleichterte Gesichter.

Nö, einen Haufen will ich aber noch nicht machen. Nö!

Herrchen hievt mich wieder ins Haus, wo ich erschöpft im Wohnzimmer zusammensinke.
Vertrautes Klappern klingt an mein Ohr. Futterschüssel.
Kohldampf, Hunger... Mir läuft das Wasser im Schnäuzchen zusammen.
Unterrudelführerin Frauchen steht in der Küchentür. »Hey, Sarah, geh' mal Küche gucken. Lecker, lecker...
«

Mir knurrt der Magen.
Egal.

Ich schwing mich auf meine drei Keulen und haste in die Küche.
Mhm, köstlich. 1 Sekunde – 2 Sekunden – 3 Sekunden...

Weg.

Ich schaue Frauchen an. War 'nen bisschen wenig, Frauchen.
Sie lacht und gibt mir noch große 'ne Pfote voll Dokos. Lecker. Und weg.

Dann habe ich ein kleines Verdauungsschläfchen gemacht. Seufz. Ach, zuhause ist es doch am schönsten.

Sarah im Bett 3

Tja, und dann ging's wieder los.
»Komm schön, Sarah. Wir gehen jetzt Gassi...«

Kennen Sie diesen liebreizenden, säuselnden aber dennoch unerbittlichen Tonfall?
Uff, das kann doch eigentlich nur wieder was Unerfreuliches bedeuten.

Und nachdem Herrchen mich dann in den Kombi verfrachtet hat, fuhr Frauchen auch schon los. Ich, mit Trichter, im Kofferraum.
An jeder Ampel guckten die Leute in den anderen Autos. »Ach, der arme Hund. Guck doch mal...« (Ich habe dann besonders traurig geschaut, damit die Leute auch was davon haben.)

Natürlich. Unterrudelführerin Frauchen ist zum Tierarzt gefahren. Typisch. Mich fragt ja keiner ob ich überhaupt will.

Dann ziehen sie mich wieder aus dem Auto.
Hey, Leute, ich will aber nicht!
»Komm schon, Sarah, ist doch gar nicht schlimm...
«
Habt Ihr eine Ahnung.

Zum Tierarzt – natürlich! Verbandswechsel ist angesagt.
Hey Leute, den hättet Ihr Euch gestern sparen sollen, dann müßtet Ihr den nicht schon wieder wechseln!
Aber keiner hört mich. Und keiner versteht mich. Armer Hund, ich.

Mit drei Mann haben sie mich auf diesen kalten Edelstahltisch gehievt und dann festhalten. Ich kam mir vor wie im Schraubstock. Es hat ewig gedauert. Gaaanz lange. Schnipp schnipp. Und gucken. Und tupfen. Und tasten. Uff. Hoffentlich sind sie bald fertig. Ich mag nicht mehr!
Und dann haben sie mich wieder runtergelassen.

Ein paar Leckerchen habe ich dann gnädigerweise gekriegt. Leute, ich bin sauer. Aber die Leckerchen habe ich dann doch nicht ausgeschlagen.

Dann haben mich Frauchen und die Mädels von der Tierärztin wieder zum Auto gebracht, um mich in den Kofferraum zu verfrachten.
Aber Oh-Gott! Frauchen findet ihren Autoschlüssel nicht.
Tja, wo könnte er denn sein? Frauchen hektisch - Ich, Sarah, bin ganz entspannt. Ich weiß ja, wo der Schlüssel ist. Aber ich sag's nicht. Nö.
Die Mädels von der Tierärztin flitzen ins Haus, um dort zu suchen, während Frauchen-Chefin durch das Heckfenster in den Kombi reinschaut. Och. Da liegt er ja, der Schlingel.
Tja, Frauchen, wenn man so dusselig ist...
Aber Frauchen bleibt ganz cool, holt ihr Portemonaie aus der Hosentasche und nimmt den Ersatzschlüssel raus.
Da staunt Ihr was? -- Ich habe nämlich ein cleveres Frauchen.

Wir sind dann wieder nach Hause geschuckelt.
Ich werde aus dem Auto gehievt. Hey, Frauchen, ich kann das allein. Bestimmt.
Aber nein, sie läßt mich nicht springen. Versteh' ich gar nicht. Ich habe doch jetzt die Eleganz einer eingegipsten Elfe...

Chefin schaut mich dann auf der Wiese vor'm Haus erwartungsvoll an. »Und? Wie wär's jetzt mal mit kacken?« fragt ihr Blick.
»Nö!«, signalisiert mein Blick.
Resigniert werde ich die vier Stufen hochbugsiert. Aua! Frauchen, ich kann nicht so schnell!

Ich kann Euch sagen, man hat's so als Hund nicht leicht. Aber verwöhnen lasse ich mich jetzt trotzdem erst mal. Hihi. Und als Nachtisch wäre so'n kleines Schläfchen nicht verkehrt...

Tschüss und gute Nacht,
Eure Sarah

Sarah zwinkert

Und wenn Ihr wollt, könnt Ihr mir ja wieder etwas ins Gästebuch schreiben.
Wenn ich wieder wach bin, kann ich's dann ja lesen.
Wuff.

 

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Neues über Sarahs Genesungsforschritte lesen Sie hier:

Tag 3 und 4 und 5 nach der Operation

 

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Sarah's Krankentagebuch – Seite 2
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überarbeitet 05.03.2007