Sarah's Krankentagebuch

Sarah vor dem Bett

 

Sarah's Krankentagebuch

April 2003

Sarah im Bett

Was soll man da sagen, ein großer starker Hund, der wie ein Häufchen Elend in einer Ecke mehr oder weniger zusammengerollt herumliegt. Das rechte Hinterbein ist mit einem kompletten Tapeverband eingepackt, der aussieht wie ein Parmaschinken, und ein riesiger Plastiktrichter nimmt dem Hund die Sicht ringsum.

Wie ist es dazu gekommen? Tja, wie es so vielen Hunden geht. Man tobt herum, und dann... Humpeln ist angesagt.
Na ja, Herrchen und Frauchen beruhigen sich für den Moment und sagen: "Okay, sie hat sich vertreten. Warten wir ein, zwei Tage, dann wird es schon besser..."

Das war im Weihnachtsurlaub. Aber es wurde nicht besser. Ich humpelte weiter. Wer ist "Ich"? werden Sie jetzt vielleicht fragen. Aber Sie kennen mich doch schon.
Ich bin Sarah, die nette Kuvasz-Dame von nebenan.

Ich bin da in irgend so ein dusseliges Schneeloch gelatscht und hängengeblieben. Irgendwo da oben auf der Steinplatte im Winterurlaub. Aber der Schnee war so schön und das Wetter so toll. Da wird man doch wohl ein bisschen rumtoben dürfen.

Na, jedenfalls meinte der bayerische Tierdoc, dass ich wahrscheinlich was im Knie hätte. (Eigentlich ist er ja ganz in Ordnung, aber ich will da trotzdem nicht hin...)
Puh, ich war froh, als wir endlich gingen. Ich konnte da auch schon wieder gaaanz gut laufen. Nur niemanden auf die Idee kommen lassen, dass es was Ernsteres sein könnte.
Also, nichts wie weg.

Und dann hat mir Frauchen in den nächsten Tagen diese kleinen Ekel-Tabletten untergejubelt. Schonung ist angesagt, hieß es dann auch noch.
Schonung, bäh, das heißt nur: wieder rumliegen und langweilen...
Ich habe dann aber auch kaum noch gehumpelt. Jedenfalls nicht so viel. (War gar nicht leicht, so zu tun, als hätte ich nichts.)

Wieder Zuhause. Urlaubsende. Tja, ich kann mich noch so anstrengen, aber mein Bein tut schon irgendwie weh. Aber glauben Sie jetzt bloß nicht, ich würde jammern. Ein Kuvasz ist doch keine Memme.
Nur mit dem Aufstehen geht's nicht wirklich gut.

Und so war natürlich der nächste Gang zum Tierarzt vorprogrammiert. Und wieder wurde gereckt und gestreckt, gezogen und gezerrt, gebogen und gefühlt. Hihi, ich bin doch so kitzelig. Aber ich habe keinen Pieps gemacht. Nur so ein bisschen dagegen gewehrt, damit meine Tierärztin auch ja nicht heraus findet, wo's bei mir nun hapert.
Sie raten bestimmt nicht, was ich dann verschrieben bekommen habe. Doch? Na gut, Sie haben gewonnen.
Es gab wieder diese kleinen Ekel-Tabletten gegen den Schmerz. Wo ich doch schon im Winterurlaub wußte, dass die Dinger nicht helfen. Aber wer hört schon auf 'nen kleinen Kuvasz?
Bäh, und diesmal gab's die Dinger gleich für zehn Tage. Igitt.
Und dazu noch die noch viel ekligeren Antibioka-(Schweine-)Tabletten gegen meine Allergie.
Ich kann Ihnen sagen: So ein Hund hat's manchmal ganz schön schwer in dieser Welt. Seufz.
Natürlich haben die Schmerztabletten nix gebracht. Meine Rede, aber schlucken mußte ich sie doch.
Und humpeln tue ich auch noch.

Tja, dann hatte ich letzte Woche wieder einen Termin beim Doc. "HD-Röntgen" oder so. Herrchen und Frauchen taten auch ganz besorgt. Sie tuschelten und streichelten. Und machten sich eigentlich gegenseitig mehr Mut als mir.
Und dann mußte ich bei diesem Tierdoc wieder laufen. Auf 'ner Hundeausstellung mit anschließender Prämierung würde ich mir das ja noch gefallen lassen, aber so...?
Aber Frauchen kam ganz schön aus der Puste, hihi. Der Doc ließ uns Runde um Runde laufen.

Hinterher haben sie wieder getuschelt und gemacht und getan. Aber war nix mit HD-Röntgen. Der Doc meinte, es könnte auch irgendwas im Knie sein. Kreuzbandriss...?
Er hat uns auch direkt die Tierklinik empfohlen. "Termin machen. Schnell. Nicht länger warten." So in der Art haben sich der Doc und Frauchen unterhalten.

Und was habe ich als "kleiner" Kuvasz davon?
Schauen Sie mich doch jetzt mal an. 'nen dicken, steifen Verband an meinem Bein. Ich kann mich noch nicht mal schlecken, geschweige denn knabbern.
Und dann noch dieser dämliche Trichter.

Sarah im Bett grinst

Aber weiter im Text:
Gestern hat sich Frauchen einen Tag Urlaub genommen. Nur für mich. Nur für ihre kleine Sarah.
Und? Was tun wir?
Statt irgendwo an einem netten See in der Frühlingssonne nach stattlichen Rüden Ausschau zu halten, fährt sie mit mir zu dieser Tierklinik.

Können Sie sich das vorstellen? Jede Menge Hunde, Katzen und ihre dazugehörigen nervösen Menschen.
Ich wäre ja gerne stantepede wieder verschwunden. Aber nix da. Frauchen hatte sich einen Sitzplatz im gut gefüllten Wartebereich ergattert. Dann haben wir gewartet.
Einen bekannten Kumpel namens Felix haben wir dort zwar auch angetroffen - den kenn' ich vom Hundeplatz - aber sonst war's eigentlich ziemlich ätzend. Felix erzählte mir zwischen zwei Schlecks und Ohrküsschen, dass er wahrscheinlich einen Tag zur Beobachtung bleiben sollte.
Soll er. Ich jedenfalls, will nach Hause. Basta.

Dann wurde Frauchen aufgerufen. Und wieder das übliche Spielchen. Nur diesmal war's 'ne nette Tierdocfrau. Die kannte ich noch nicht. Aber alles andere war wie immer. Hin und herlaufen, setzen, aufstehen, ziehen und zerren, fühlen, drücken, verbiegen, usw....
Da kann man als Hund schon die Lust verlieren.

Hach, das dollste habe ich Ihnen ja noch gar nicht erzählt. Gestern morgen, bevor wir zu dieser Klinik gefahren sind:
Nix zu fressen gab. Nix. Null. Niente. Und noch nicht mal meine morgendliche Portion Frühlingsgras hat mir Frauchen gegönnt. War nur am meckern. "Nein, Sarah, kein Gras. Nein. Nein...." Hundert Mal "Nein". Und dieses Gras duftete sooo lecker. Seufz.

Aber wieder zurück in die Klinik. Frauchen hat der Tante Doc also nochmal alles haarklein erzählt. Währenddessen habe ich versucht, mich möglichst unsichtbar zu machen. Nicht, dass ich Schiss hätte, nö, aber hier lag zu viel Angstgeruch in der Luft. Kein guter Ort, um zu relaxen.

Das End' vom Lied können Sie sich ja jetzt schon denken oder? Da bleiben mußte ich. Frauchen hat mich getätschelt, und dann hielt mich die Tierdoc an der Leine zurück. Und weg war Frauchen. Und ich mußte mit.

Ich möchte Ihnen lieber gar nicht beschreiben, was dann alles mit mir gemacht wurde. Oberbegriff "Tierklinik" muß reichen. Dann wissen Sie schon alles.

Fremde Menschen haben mich von meinem Frauchen weggezerrt. Und irgendwie wurde mir dann auch ganz weich und doof im Kopf. Ich glaube, ich habe dann geschlafen. Aber sicher bin ich mir da nicht. Ich habe ganz schrecklich geträumt. Von Herrchen und Frauchen. Und ich habe mich sooo nach ihnen gesehnt.

Irgendwann bin ich dann wieder aufgewacht. Mir war so richtig bäh im Kopf. Kennen Sie dieses Gefühl?
Menschen sprechen dann immer von 'nem "Kater".
Das war bei mir eher 'ne ausgewachsene Elefantenfamilie, die durch meinen Kopf tobte. Und mein rechtes Hinterbein konnte ich auch nicht bewegen. Eigentlich konnte ich mich gar nicht bewegen. Total schlapp. So richtig banane.

Menschenhände haben an mir rumgemacht. Mich hochgehoben, rumgeschleppt, getätschelt.
Ach, laßt mich doch einfach in Ruhe.
Aber sie ließen mich nicht. Irgendwie haben mich zwei Menschen mit Handtuch und Leine und Ziehen und Heben durch die Gegend gewuchtet. Wo ich doch so eine zarte Elfe bin...
Aber auf diesen Metallwagen gehe ich nicht. Basta.

Sarah im Bett

Dann war da heller Sonnenschein und so in weiter Ferne war da Frauchens Stimme. Aber sicher bin ich mir nicht. Ach. Nach Hause. Das wäre schön.

Aber Frauchens Stimme war noch immer da. Und ihre Hände. Sie hat mich gestreichelt. Und ich habe ihr ein Küsschen auf die Nase gegeben.
Frauchen! Fahren wir jetzt nach Hause?
Ja, Sarah. Wir fahren jetzt nach Hause. Ich bin so froh, dass wir Dich wieder haben.

Es ruckelte und mir war noch immer ziemlich matschig im Kopf. Aber es roch wie in Herrchens Auto. Ich träum das doch nicht, oder?

Ich habe dann ein Weilchen geschlafen. Dann haben mich Hände wieder herumgehievt. Hey, nun laßt mich doch schlafen. Ich mag jetzt nicht stehen.
Schließlich konnte ich mich endlich hinlegen. Ich sage Ihnen, das war alles ziemlich anstrengend.

Sarah dreht sich um

Zuhause. Ich war tatsächlich wieder zuhause. Es roch danach. Und sah auch so aus. Aber bewegen mochte ich mich nicht.
Schlafen, vielleicht ein wenig an den Pfoten knabbern...
Mist, jetzt haben sie mir diesen doofen Trichter übergestülpt. Man sieht damit ja gar nichts.
Dann habe ich ein paar Mal versucht aufzustehen. Oops, das geht aber noch nicht. Dieses "Parma-Schinken-Bein"... da kann man doch nicht drauf stehen.
Ich habe dann auch ein bisschen gejammert. Ab und zu haben Herrchen und Frauchen mich dann getüddelt und gestreichelt.
Ich glaube, sie wollten ein wenig schlafen.
Irgendwann in der Nacht kam mir dann der Gedanke, dass ich irgend etwas Wichtiges vergessen habe.
Hey. Genau. Ich muss doch Herrchen und Frauchen wecken gehen. Gleich dudelt der Radiowecker los. Aber ich bin vorher da. Ihr werdet schon sehen.

Tja, wer kann der kann. Natürlich war ich eher als der Wecker da. Und Herrchen und Frauchen haben nicht schlecht gestaunt, als ich so mit Trichter und Parmaschinkenbein in der Schlafzimmertür stand.

So, jetzt liege ich neben dem Bett und lasse mich kraulen.
Und zu fressen geben könnten sie mir endlich auch mal was. Ich habe Hunger.

Heute haben wir den Tag Eins nach der Operation.
Ich habe gehört, dass man hier einen Verbandswechsel angedacht hat für heute abend. Hihi, dann kann ich mich ja wieder sträuben.

 

Ich werde Euch in den nächsten Tagen immer mal wieder von meinen Genesungsfortschritten berichten.
Ihr könnt mir ja einfach was Nettes ins Gästebuch schreiben. Dann hab' ich was zu lesen und nicht ganz so viel Langeweile.

Tschüss, Eure Sarah Sarah zwinkert

 

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Neues über Sarahs Genesungsforschritte lesen Sie hier:

Tag 2 nach der Operation

 

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überarbeitet 05.03.2007