über Sarah und ihre Freunde

 

Sarah

 

 

Bestanden ! – Teil 2

Hallo, liebe Kuvasz-Freunde, erinnern Sie sich noch? Fünfzig Schritte rauf, Kehrtwendung, zehn Schritte normal, zehn Schritte im Laufschritt... Das war Sonntag, der 22. April 2001 und nannte sich »BH - Begleithundprüfung«. Und jetzt ist es wieder Sonntag. Der 27. Mai 2001. Wieder ist Prüfung angesagt. Heute nennt es sich »TEAM-Test«.

Es ist warm. Für heute wurden so ca. 28° Celsius angesagt. Nichts für meinen Kuvasz. Aber da müssen wir jetzt durch.
Ich, das Frauchen, bin nervös. Natürlich. Das Frühstück hab´ ich schon mal ausfallen lassen. Meine andere Team-Hälfte ist gelassen wie immer. Während sich mir vor Aufregung der Magen zusammenknüllt, schielt mein Hund nur nach dem Croissant, der normalerweise sonntags morgens immer für sie da ist. Aber ich habe beschlossen: erst die Arbeit, dann der Croissant.

Nun ist es soweit. Die Teilnehmer dieses Team-Tests haben sich beim HSV Angerland in Ratingen eingefunden. Alle mehr oder weniger nervös. Für einige Teams ist es nur eine von vielen Prüfungen, für andere die erste. Einige machen nur so »just-for-fun« mit, aber ein paar Teams benötigen noch immer die Befreiung vom Maulkorb- und Leinenzwang vom Ordnungsamt, und für sie ist es sehr wichtig hier heute einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Die Zuschauer versammeln sich so langsam auf den Bänken, der Richter (Bewerter) ist auch schon da. Gleich geht es los! Die Sonne schiebt sich zwischen den spärlichen Wolken hindurch, und sofort wird es merklich wärmer, dabei ist es erst 9 Uhr morgens.
Sarah (Amara zum weißen Flöckchen) und ich, Frauchen (Anette Manzius), haben das Glück (hoffentlich!), gleich in der ersten Paarung starten zu dürfen. Sie wissen ja - Kuvasz und Sommerhitze passen nicht zusammen.

Oh, jetzt geht es los! Schnell den Hund aus dem Auto geholt und ein bisschen aufgemuntert, dann zügig auf den Hundeplatz. Wir melden uns an und der Richter zückt sein Chip-Lesegerät, welches sich bei meiner Sarah erst nach etlichem Probieren bequemt, den Chipcode auszulesen, währenddessen Sarah genüsslich die Leckerchen vom Richter kassiert. Okay, das hätten wir, und Sarah und ich begeben uns zur Platzablage, während die zweite Teilnehmerin mit ihrem Hund zum Startpunkt geht. Gespannte Stille macht sich auf der Platzanlage breit. Jetzt wird es ernst.

Die Platzablage beim Team-Test läuft anders ab als bei einer BH. Hier wird der Hund an eine lange Leine angebunden und der Hundeführer verschwindet in einem Versteck. Der Hund darf sich während dieser Zeit nicht vom Fleck rühren. Aber bei Sarah mache ich mir da keine Sorgen, Schlummern gehört zu ihren Lieblingsübungen. Ich binde meinen Hund an und gehe ins Versteck. Durch zwei Gucklöcher kann ich das meiste beobachten. Ah, die andere Teilnehmerin ist schon losgegangen. Und dort liegt mein Kuvasz und döst zufrieden mit halb geschlossenen Augen vor sich hin. Zehn, zwölf Minuten vergehen, dann werde ich gerufen. Uff, jetzt sind wir dran. Schon meldet sich der Knoten in meinem Magen wieder.

Ich hole meine Sarah ab und laufe mit ihr zum Startpunkt, knuddele sie aufmunternd und spiele noch ein bisschen mit ihr. Dann geht´s richtig los. An den Parcours erinnern Sie sich sicher noch von der BH. Ist hier ähnlich aufgebaut. Sie wissen schon, fünfzig Schritte rauf usw... Den Teil, bei dem Sarah an der Leine läuft, wird von meinem Hund locker gemeistert, aber jetzt anschließend das Ganze noch mal ohne Leine. Das ist viel, viel nervenaufreibender. Dicht bei »Fuß« laufen, sieht mein liebenswerter Kuvasz nun mal nicht ein. Aber was soll´s.

Also ich, Frauchen, laufe, wie schon mal beschrieben, munter und Arme schwingend ziemlich zügig über den Platz, während meine Sarah irgendwo da hinter mir nachkommt. (Sarah, du bis drei nicht dreizehn!) Nun ja, es sieht insgesamt nicht so flüssig und elegant aus wie bei einem gut ausgebildeten Schäferhund. Aber das ist ja auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass mein Hund überhaupt gehorcht. Und das tut sie wunderbar.

Sie setzt sich auf Befehl in die pralle Morgensonne und sitzt! auch noch da, als ich mich umdrehe. (Ich hätte gewettet, dass sie im Schatten unter der nächsten Birke verschwindet.) Und auf ein lautes »Platz!« legt sie sich ordentlich hin, kommt (mittel)schnell angelaufen, als ich sie abrufe und setzt sich genauso ordentlich vor mich hin, um nach einem »Fuß!« um meine Beine herum in einer Grundstellung (sie sitzt) zu verharren, die auch einem Schäferhund Ehre gemacht hätte.

Wir haben es geschafft, und auch der Richter lächelt freundlich und meint: »Wir sehen uns auf jeden Fall im Straßenteil wieder.« Befreit und stolz laufen wir vom Platz.
Der Knoten in meinem Magen löst sich erleichtert auf, und jetzt kann ich auch endlich mal ans Essen denken. Sarah bekommt reichlich Belohnungsleckerchen und ruht sich im Auto aus, während ich mein erstes Brötchen esse. Unterdessen plagen sich die übrigen fünfzehn Hund-und-Hundeführer-Teams auf dem Platz mit denselben Übungen ab, die wir gerade erfolgreich hinter uns gebracht haben. Sarahs Herrchen ist auch sehr erleichtert und wieder aus seinem Versteck aufgetaucht, in dem er verschwunden war, um nicht zusehen zu müssen, wie wir uns auf dem Platz abstrampeln.

Vielleicht werden Sie sich fragen, warum dieses ganze Theater? Prüfung - wozu? Wozu der Stress? Nun, ich denke, um Situationen, wie die im anschließend stattfindenden Straßenteil, problemlos und stressfrei meistern zu können. Die Landeshundeverordnungen haben in Deutschland so einiges verändert. Vor allem aber in Nordrhein-Westfalen. Leider. Dort werden unsere netten, liebenswürdigen Kuvasz zu den gefährlichen Hunden gezählt. Und daher sollte man in NRW eine wie hier beschriebene Prüfung bestanden haben.

So, und nun zum Straßenteil, der nach dem Mittagessen stattfindet. Wissen Sie, man kann ja einiges üben. Aber dann, in einer Prüfung, sieht alles doch ganz anders aus. So hatten z.B. die Prüfungsleiter die Reihenfolge der Teilnehmer so gestaltet, damit sich einige Rüden oder Hündinnen, die sich nicht unbedingt mögen, nicht gemeinsam im Straßenteil zusammen kommen, denn ein einziges! aggressives Bellen, Knurren oder Anspringen eines anderen Hundes oder gar Menschen hat den sofortigen! Ausschluss von der Prüfung zur Folge. Und gerade auf diesen Test hat es der Richter abgesehen. Er mischt komplett neu und stellt genau die Kandidaten zusammen, die sich nicht leiden können. Die entsetzten Gesichter der Hundeführer können Sie sich ja vorstellen. Im normalen Übungsbetrieb kann man sich aus dem Weg gehen, um keine Beißerei zu provozieren. Aber jetzt, hier in der Prüfung... keine Chance. Da müssen wir jetzt alle durch.
Straßenteil bedeutet, verschiedene Alltagssituationen nachzustellen, die uns tagtäglich in der einen oder anderen Form begegnen: Radfahrer, Jogger, Autos, Menschenmengen. In all diesen Situationen hat sich ein Hund unbefangen zu verhalten.

In der ersten Übung müssen wir, Sarah und Frauchen, kreuz und quer durch eine von Hunden gespickte Menschenmenge hindurch, hin und her laufen, und kein Hund darf den anderen »anmachen«. Aber alle bleiben friedlich. Für die zweite Übung bilden wir eine lange Reihe, mit jeweils ca. drei Meter Abstand vom nächsten Team. Alle Hunde sitzen. Durch diese Lücke braust ein Radfahrer, singend, wild klingelnd, sein Rad pendelt hin und her. Wieder zeigen sich alle Hunde unbeeindruckt. Ich selbst bin erleichtert. Und dann kommt vom Richter der Ruf: »Und die Menschenmenge da hinten joggt jetzt mal ganz locker im Slalom durch die Hunde durch...« Ups. Der Knoten im Magen ist wieder da. Kennen Sie das Gefühl, wenn sich eine Menschenmenge, einer wilden Woge gleich, rennend und johlend auf Sie zu bewegt, Sie und der Hund gestreift werden? Seltsam, alle Hunde lässt das völlig cool.

Bei der anschließenden Übung bin ich völlig ruhig. Was kann jetzt noch schlimmeres kommen? Ein drei Meter großer Kreis wird gebildet, aus Menschen und Hunden, alle dicht an dicht. Verfeindete Rüden sitzen sich gegenüber und fixieren sich grimmig, aber keiner sagt einen Ton. Ein Hund wird in die Mitte gerufen. Dort muss er sich setzen und auch mal hinlegen, danach darf er den Kreis mit Herrchen bzw. Frauchen verlassen, allerdings muss er hierzu an einem bestimmten Hund vorbei. Jetzt werden wir in die Mitte gerufen. Sarah setzt sich brav, gähnt gelangweilt, und sie legt sich sofort auf mein »Platz!« hin. Der Richter steht hinter ihr und stupst! sie mit seinem Fuß am Po an. Normalerweise würde sie jetzt wie von der Tarantel gestochen aufspringen, aber was macht sie heute? Sie legt sich auf die Seite, grinst den Richter über die Schulter hinweg an. Herr Richter, kannst du da noch ein bisschen fester rubbeln? Das ist so schön. Alle Leute lachen fröhlich und dann ist der nächste Prüfungskandidat dran.

Die letzte Übung findet mit einem Auto statt. Hund und Hundeführer umrunden das Fahrzeug. Es wird laut gehupt, Türen werden geschlagen, und dann muss sich der Hundeführer mit dem Autofahrer unterhalten, Händeschütteln und so. Der Hund darf währenddessen nicht ans Auto ran, und schon gar nicht an den Fahrer (auf den Schoß springen, ist absolutes Tabu). Alle Prüfungshunde haben auch diese Übung vorbildlich gemeistert. Damit haben wir den Team-Test dann auch bestanden. Von den teilnehmenden siebzehn Teams ist nur eins durchgefallen; wir wünschen Hund und Frauchen viel Glück fürs nächste Mal, da klappt´s dann bestimmt.

Nach der Prüfung, die bis ca. 14.30 Uhr dauert, gibt es Kaffee, Kuchen und Eis und jede Menge erleichterte Gespräche, in denen wir alle noch mal die Übungen durchgehen und uns staunend wundern, wie gleichmütig unsere Hunde diesen harten Straßenteil gemeistert haben. Denn es war nicht immer so schwierig in einem Straßenteil, aber durch die Landeshundeverordnungen haben auch die Prüfungsrichter der einzelnen Verbände die Auflage bekommen, streng und peinlich genau zu richten. Einen »Persilschein« gibt´s nicht mehr. Und gerade die so genannten »Anlagehunde« unter den Prüfungsteilnehmern wurden von unserem Richter sehr genau geprüft, gerade Rottweiler, Dobermann, Staffordshire Terrier und Kuvasz.

Übrigens habe ich erfahren, dass unser Richter früher selber mal ein Kuvasz-Besitzer war. Vielleicht hat er sich deshalb unsere Sarah so genau angeguckt, denn mit seiner Hündin hätte er sich so eine Prüfung niemals zugetraut, so seine Aussage. Das macht uns dann besonders stolz, weil wir uns getraut haben.
So, für die nächste Zeit hat unsere Super-Sarah erst mal genug Prüfungen gemeistert. Die Begleithundprüfung hat uns immerhin eine weitere Befreiung von Maulkorb- und Leinenzwang bis April 2003 gebracht! Jetzt darf sie sich auf die Ausbildung zum Fährtenhund konzentrieren (Sie wissen schon: Leckerchen und so...). Und vielleicht macht sie ja bald mal wieder bei einem Turnierhundsport-Wettbewerb mit, allerdings muss dazu Frauchen noch was an ihrer Kondition tun.

Wir würden uns freuen, auch von anderen Kuvaszok und ihren Besitzern zu hören, die sich trauen, ebenfalls so eine Prüfung abzulegen. Und bitte denken Sie dran: Sie benötigen keine teure Hundeschule, um aus Ihrem liebenswerten, aber sturen Kuvasz einen verkehrssicheren Hund zu machen. Es gibt Hunderte Hundesportvereine, die auch Sie gerne aufnehmen und ausbilden werden, und das auf ehrenamtlicher! Basis. Wir haben mittlerweile einen weiteren Kuvasz beim HSV Angerland: Meiki und Frauchen (Frau Rayermann). Wir freuen uns jeden Samstag, mit beiden in der »Leinenführigkeitsgruppe« arbeiten zu können, und sind sicher, dass Meiki einmal so gut wird wie unsere Sarah.

Wir grüßen alle Hundebesitzer und ihre Hunde ganz herzlich.
Anette Manzius (Frauchen), Martin Liebenau (Herrchen)
und Sarah (Amara zum weißen Flöckchen) mit BH (nicht mit Büstenhalter, sondern bestandener Begleithundprüfung) und jetzt auch mit TEAM-Test



Anmerkung:
Am 18.12.2002 wurde in Nordrhein-Westfalen die Landeshundeverordnung durch das Landeshundegesetz ersetzt, in dem „nur“ noch 12 Rassen gelistet sind. Unser Kuvasz steht jetzt nicht mehr auf der Liste. Sarah ist nun nicht mehr gezwungen, für das Ordnungsamt eine gültige und aktuelle Prüfung vorzuweisen. Aber zweieinhalb Jahre Landeshundeverordnung NRW haben uns geprägt, und die Angst bleibt.

 

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überarbeitet 05.03.2007